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Rund 5000 Menschen aller Altersgruppen strömten am Samstag, 30. Mai im Tiroler Wipptal bei Matrei auf die Brennerautobahn. Die Protestaktion richtete sich gegen die anhaltend hohe Verkehrsbelastung

Rund 5000 Menschen aller Altersgruppen und verschiedenster politischen Einstellungen strömten am Samstag, 30. Mai im Tiroler Wipptal bei Matrei auf die berühmt berüchtigte Brennerautobahn. Die Protestaktion richtete sich gegen die anhaltend hohe Verkehrsbelastung auf der wichtigsten Nord-Süd-Transitachse zwischen Deutschland und Italien.

Für volle 8 Stunden war die chronisch überlastete, üblicherweise von Lkw-Konvois geprägte Transitachse am Brenner verkehrsfrei. Weder das monoton dröhnende Lkw-Brummen noch der Lärm von Motorrädern und Personenwagen waren im Tal zu hören. «Merkt Ihr’s? Man riecht sogar das frische Heu!» rief eine Demonstrantin. Entsprechend positiv war die Stimmung unter den Teilnehmenden.

Konkrete Forderungen aus der Region
Der Bürgermeister von Gries, Karl Mühlsteiger, hatte die Demonstration als Privatperson initiiert und die Bewilligung erst nach einem Gang vors Verwaltungsgericht erwirkt. Das zeigt, wie gross seine Entschlossenheit ist, die zunehmende Belastung durch den Transitverkehr einzudämmen. Er stellte verschiedene Forderungen. Diese betreffen sowohl regionale als auch nationale Massnahmen. Dazu zählen die Aufrechterhaltung der Tiroler Nacht- und Sonntagsfahrverbote für den Schwerverkehr sowie der Ausbau von Lärmschutzmassnahmen, etwa durch durchgehende Lärmschutzwände oder die Einhausung von Autobahnabschnitten. Die Regierung in Wien soll die lukrativen Dieselverbilligung an den Brennertankstellen aufheben. Darüber hinaus wird eine deutliche Erhöhung der Mautgebühren gefordert, um die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zu fördern. Doch das benötigt die Zustimmung aus den angrenzenden Nachbarländern Deutschland und Italien. Diese stellen sich bislang dagegen.

«Rom, Berlin - schaut’s her! Wo ist auch unsere starke EU? So kann es nicht weiter gehen. Wir brauchen Lösungen von Euch und werden nicht locker lassen.»

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Karl Mühlsteiger

Bürgermeister von Gries am Brenner

Breit abgestützte Unterstützung
Die von Lärm und Feinstaub geplagte Wipptaler Bevölkerung erhält breite Unterstützung aus Politik und Zivilgesellschaft. Sämtliche elf Bürgermeister der Region stellen sich hinter die Forderungen. Zudem gab es sehr viel Unterstützung von Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen wie der CIPRA, aus anderen Österreicher Regionen, Bayern und dem Südtirol.

Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Südtiroler Umweltdachverbandes kritisierte öffentlich das Fernbleiben ihres eigenen Regierungschefs aus Bozen, der sich die vergangenen Wochen sogar nach Rom bemühte, im Versuch diese symbolische und bewilligte Verkehrsblockade in der EU-Nachbarregion zu unterbinden – erfolglos. Der Tiroler Regierungschef Anton Mattle, als Privatperson dabei, kommentierte das Fehlen seines Südtirolers Amtskollegen gegenüber Elisabeth Ladinser: «Ja, beim Transit sind wir leider anderer Meinung.» Und fügte, von der Demo beeindruckt, an: «Jetzt ist genug. Die Leute hier zeigen das deutlich.» Noch vor ein paar Monaten verweigerte die Regionalverwaltung die Demobewilligung.

Druck auf die Politik nimmt zu
Die Initianten erhöhen den Druck auf die nationale und europäische Politik. Viel Zeit, um in Wien und Brüssel vorstellig zu werden, geben Karl Mühlsteiger und seine Amtskollegen der Politik in Wien und Brüssel nicht und sie stellen ein Ultimatum: Bis zum 31. Dezember müssen die Dinge in Gang kommen. Geschehe dies nicht, würden solche Massnahmen, wie die Demonstration, öfter ergriffen werden.

Sicher ist, der wütende Bürgermeister und die Wipptaler:innen brauchen grosse Unterstützung, um Ruhe und gute Luft zu erhalten. Darum fordert Pro Alps ein koordiniertes Kapazitätsmanagement, auf allen Transitachsen im Alpenraum.

Rechtsstreit um den Brenner-Transit: Grundsatzentscheid steht an

 

Vor dem Europäischen Gerichtshof ist ein Grundsatzstreit um den Alpentransit hängig. Italien klagt gegen die Tiroler Transitbeschränkungen am Brenner. Im Zentrum steht die Frage, ob Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und Umwelt den freien Warenverkehr einschränken dürfen. Die mündliche Verhandlung fand am 21. April 2026 in Luxemburg statt, ein Urteil wird im Laufe des Jahres erwartet.

Das Verfahren gilt als richtungsweisend für den künftigen Umgang mit dem Alpentransit. Umweltorganisationen warnen vor einem möglichen Dominoeffekt. Sollte der Gerichtshof zugunsten Italiens entscheiden, könnten Schutzmassnahmen entlang weiterer Alpentransitrouten unter Druck geraten.

Pro Alps unterstützt die bestehenden Schutzmassnahmen. Katrin Dorfschmid, Geschäftsleiterin Pro Alps: «Entlang der Nord-Süd Transitachse am Brenner braucht es mehr und nicht weniger wirksame Massnahmen, um den verzerrten Wettbewerb zwischen Strasse und Schiene zu korrigieren. Nur so lassen sich Menschen und sensible alpine Ökosysteme wirksam vor dem überbordenden Strassenverkehr schützen.»

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