Rabatte für die Strasse schwächen Verlagerung
Pro Alps
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Zu wenig Anreiz auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern – Lastwagenkolonne auf der A2 Richtung Gotthard.
Statt mit einer griffigen LSVA Güter auf die Schiene zu verlagern, verteilt der Nationalrat neue Rabatte an die Strasse. Die Lastwagenbranche profitiert, der Alpenschutz verliert.
sg. Das zentrale Instrument in der Verlagerungspolitik, die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), steht vor einer entscheidenden Phase. Erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 2001 wird die LSVA im Parlament grundlegend revidiert. Der Nationalrat hat die Vorlage im März 2026 beraten und dabei zentrale Weichen falsch gestellt. Nun ist der Ständerat am Zug. Es geht darum, ob die LSVA wieder als Verlagerungsinstrument wirkt oder weiter ausgehöhlt wird.
Strassentransit wird systematisch verbilligt
Besonders deutlich zeigt sich das Problem beim alpenquerenden Transitverkehr: Der im Abkommen mit der EU festgehaltene Maximalbetrag von 325 Franken für 40 Tonnen Lastwagen wurde nicht nur nie ausgeschöpft, sondern sank 2024 auf rekordtiefe 280 Franken. Elektro-Lastwagen sind davon ausgenommen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Der Bundesrat passt die LSVA nur selten an die Inflation an. Real wird der Strassentransport dadurch von Jahr zu Jahr günstiger. Gleichzeitig sah sich die Schiene mit massiven Strompreissteigerungen konfrontiert. Der Wettbewerb zwischen Strasse und Schiene hat sich damit weiter zugunsten des Lastwagens verschoben.
Politisch herbeigeführter Verlagerungsnotstand
Die Folgen sind sichtbar. Der Schienenanteil im alpenquerenden Güterverkehr sank 2025 auf unter 70 Prozent – ein Rückfall um rund zehn Jahre. Der Nationalrat weigert sich dennoch, die chronische Verbilligung des Strassentransports als zentrale Ursache anzuerkennen. Schlimmer noch: Statt gegenzusteuern, sollen Elektro‑Lastwagen erst ab 2031 statt ab 2029 LSVA zahlen, dazu kommen deutlich höhere Rabatte bis 2035. Eine verlässliche Teuerungsanpassung wurde abgelehnt.
Politischer Kniefall vor Lastwagenlobby
Diese Entscheide sind kein Zufall. Im Nationalrat setzte sich eine breite Koalition zugunsten der Lastwagenbranche durch. Vertreter mit direkten Interessenbindungen zur Nutzfahrzeugbranche prägten die Beratungen. Das Resultat ist eine Vorlage, die den Strassengüterverkehr weiter begünstigt, hohe Mindereinnahmen für den Schienenausbau in Kauf nimmt und die Verlagerung schwächt. Pro Alps hat sich im parlamentarischen Prozess dafür eingesetzt, die LSVA als wirksames Verlagerungsinstrument zu erhalten. Nun ist der Ständerat gefordert, diese Beschlüsse zu korrigieren.
Die LSVA und der aktuelle Stand kurz erklärt
Güterfahrzeuge über 3,5 Tonnen zahlen auf dem gesamten öffentlichen Strassennetz der Schweiz eine Abgabe. Die Abgabe richtet sich nach dem Gewicht des Fahrzeugs, den gefahrenen Kilometern und der Emissionsklasse des Motors. Daher auch der Name «Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA».
Mit der LSVA verfolgte der Gesetzgeber von Beginn weg drei Ziele: mehr Kostenwahrheit im Lastwagenverkehr, die Stärkung der Verlagerung auf die Schiene und die Mitfinanzierung der Bahninfrastruktur. Der Bundesrat selbst stufte die Wirkung der LSVA bei allen drei Zielen als ungenügend ein und leitete deshalb eine Teilrevision ein.
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