Stumpfe LSVA Revision

Mit der Revision hat das Parlament das Verlagerungspotenzial der LSVA nicht ausgeschöpft und damit sowohl das Verlagerungsziel als auch den Verfassungsauftrag verfehlt.

Das Par­lament hat es ver­passt, das Ver­lagerungs­potenzial der LSVA auszu­schöpfen. Die Revision steht damit im Wider­spruch zum Ver­lagerungs­ziel und zum Verfassungs­auftrag. Pro Alps zieht vor der Schluss­abstimmung eine kritische Bilanz.

Seit mehr als einem Jahr ringt das Parlament mit der Revision der Leis­tungs­abhängigen Schwer­verkehrs­abgabe (LSVA). In der Herbst­session mussten die letzten Differenzen zwischen National- und Stände­rat bereinigt werden. Noch am Tag der Pro Alps Aktion «Tatort: Alpen­schutz­artikel» draussen auf dem Bundes­platz, räumte der National­rat drinnen im Bundes­haus zwei der drei proble­matischen Anträge des Stände­rats aus. Besonders wichtig: Die geplanten Fix­rabatte für neue Diesel-Last­wagen sind vom Tisch. Für die letzte Differenz, nämlich die sieben­jährige gesetz­liche Blockade bei LSVA-An­pas­sungen, brachte der heute ange­nommene Antrag der Einigungs­konferenz Klar­heit und eine Ver­besserung: alte Diesel-Fahrzeuge können 2029 endlich ab­klassiert werden und der Bundes­rat kann Aus­nahmen bei der 7-Jahre-Frist bestimmen.

«Das Parlament schafft mit langfristigen Rabatten Planungs­sicher­heit für die Strasse – nicht aber für die Ver­lagerung. Wer das gesetz­liche Ziel seit Jahren verfehlt, darf die LSVA nicht auf Jahre hinaus aus­bremsen», kommentiert Nara Valsan­giacomo, Präsidentin von Pro Alps, die Entscheide.

Die Last­wagen­lobby mit starker Ver­tretung
Die Last­wagen­lobby setzte sich in zentralen Punkten durch – teilweise mit Stich­ent­scheid des Rats­präsidiums. Eine gesetzliche und verläss­liche Anpassung der LSVA an die Teuerung fehlt weiter­hin. Auch der Spielraum des Land­verkehrs­abkommens mit der EU für höhere Tarife bleibt ungenutzt. Elektro-Last­wagen werden erst ab 2031 LSVA-pflichtig und profitieren bis 2035 von hohen Mindest­rabatten. Trotz gleich­bleibendem CO2-Aus­stoss bleiben neue Diesel-Last­wagen eben­falls zu lange vor höheren Abgaben geschützt. Immerhin erreichte die Revision zwei Fort­schritte. Zum einen sollen Euro-6-Last­wagen nach 15 Jahren Still­stand ab 2029 endlich teurer und zum anderen über­nehmen Elektro-Last­wagen künftig zumindest einen Teil der von ihnen verur­sachten Kosten.

Warum die LSVA entscheidend ist
Die Leistungs­abhängige Schwer­verkehrs­abgabe (LSVA) ist eine tragende Säule der Schweizer Ver­lagerungs­politik: Sie soll die Kosten des Schwer­verkehrs decken und Güter auf die Schiene verlagern. Doch jährlich bleiben laut Bund rund 3,5 Milliarden Franken an externen Kosten ungedeckt. Gleich­zeitig entfernt sich die Schweiz weiter vom Ver­lagerungs­ziel: 2025 querten rund 960’000 Last­wagen die Alpen, im ersten Halb­jahr 2026 bereits mehr als 500’000. Die Schiene verliert im vierten Jahr in Folge Markt­anteile an die Strasse. Das gesetz­liche Ziel von höchstens 650’000 Fahrten rückt weiter weg.

Kein Referendum – aber die Arbeit geht weiter
Pro Alps wird nach der Schluss­abstimmung vom kommenden Freitag kein Referendum ergreifen. Es würde die über­fällige Ein­bindung der Elektro-Last­wagen in die LSVA weiter ver­zögern und damit jenen nützen, die an der voll­ständigen Abgabe­befreiung fest­halten wollen. Statt­dessen wird Pro Alps die Umsetzung kritisch be­glei­ten und den Druck für weitere Verbes­serungen auf­recht­er­halten.

Zwei Lücken kommen auf den Tisch
Die Revision schliesst zentrale Lücken nicht. Deshalb hat Pro Alps zwei Inter­pella­tionen ange­stossen: Die erste nimmt den wachsenden Liefer­wagen­verkehr unter die Lupe, denn auch hier fehlen bisher ver­lässliche Antworten. Der Bundes­rat soll Klar­heit schaffen, wie sich Fahr- und Trans­port­leistungen entwickeln und welche Infra­struktur und externen Kosten ungedeckt bleiben. Dies ist eine wichtige Grund­lage, um das Poten­zial einer verur­sacher­gerechten Kosten­anlastung für den BIF und die Dekar­boni­sierung des Gütervverkehrs abzu­schätzen.

Die zweite Inter­pellation ver­langt eine Gesamt­be­trachtung der Förderung von Elektro-Last­wagen. Bereits jede vierte Neu­zu­lassung ist elek­trisch, und die Markt­durch­dringung wird weiter zunehmen. Sinkende Diesel­preise, günstigere Fahr­zeuge insbesondere aus China und subs­tanzielle Förder­programme für Lade- und Energie­infra­struk­tur verändern die Aus­gangs­lage zusätzlich. Der Bundesrat soll deshalb öffentlich dar­legen, wie die hohen LSVA-Rabatte zu einer Über­förderung führen.

«Die Schluss­abstimmung beendet die Revision, nicht aber die Debatte. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass der Strassen­güter­verkehr seine Kosten trägt und der Verfassungs­auftrag zum Alpen­schutz endlich um­gesetzt wird», sagt Valsan­giacomo.

Fotos zur LSVA-Aktion
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