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Schwerverkehrszentrum in Ripshausen

Die Zahlen des Bundes zu den Schwer­verkehrs­kontrollen im Jahr 2025 sind alarmierend: So haben sich Fälle manipulierter Abgas­systeme gegenüber dem Vor­jahr ver­doppelt. Gleich­zeitig zeigen die Kontrollen, dass technische Mängel insgesamt zu­nehmen und Liefer­wagen dabei über­proportional häufig be­anstandet werden, was auf erhebliche Sicher­heits- und Umwelt­probleme in diesem wachsenden Verkehrs­segment hinweist.

 

Konsequente Schwer­verkehrs­kontrollen sind weit mehr als eine Sicher­heits­mass­nahme. Sie sorgen dafür, dass Regeln ein­gehalten werden, Kosten nicht illegal gedrückt werden und der Wett­bewerb zwischen Strasse und Schiene fairer wird. 2025 wurden in der Schweiz rund 125’000 Last­wagen, Busse und Liefer­wagen kontrolliert. Mehr als jedes fünfte Fahr­zeug wurde be­anstandet, in rund 5’500 Fällen waren die Mängel so gravierend, dass eine Weiter­fahrt nicht mehr erlaubt war. Besonders problematisch ist die deutliche Zu­nahme von illegalen Ab­gas­mani­pulationen, die einzelnen Akteuren unfaire Vor­teile ver­schaffen und die Ver­lagerungs­politik unter­graben. Die Beanstandungen wegen technischer Mängel nehmen deutlich stärker zu als die Zahl der Kontrollen insgesamt.

Abgas­mani­pulationen nehmen stark zu – hohe Dunkel­ziffer befürchtet
Die Entwicklung bei manipulierten Abgassystemen ist besonders problematisch. 2025 wurden 365 Fahr­zeuge wegen illegaler Abgas­trübung beanstandet, gegenüber 41 Fällen im Jahr 2021. Dabei handelt es sich in der Regel um gezielte Ein­griffe in die Abgas­nach­behandlung, etwa zur Unter­bindung der AdBlue Zufuhr. Solche Manipulationen senken die Betriebs­kosten und verschaffen einzelnen Trans­port­unternehmen illegale Wett­bewerbs­vor­teile. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen, da nur wenige Kontroll­zentren systematisch auf Abgas­trübungen prüfen und viele Kantone keine entsprechenden Nach­weise liefern. Die Folgen sind gravierend: deutlich höhere Schad­stoff­emissionen, schlechtere Luft­qualität und eine über­proportionale Belastung von Bevölkerung, Natur und sensiblen Lebens­räumen im Alpen­raum.

Verkehrs­sicher­heit durch mehr Kontrollen erhöhen
Während die mobilen Schwer­verkehrs­kontrollen 2025 gegenüber dem Vor­jahr um rund 3’000 Ein­sätze abnahmen, wurden in den Schwer­verkehrs­kontroll­zentren fast 5’000 zu­sätzliche Fahr­zeuge über­prüft. Mobile Kontrollen bleiben jedoch ein zentraler Pfeiler der Verkehrs­sicher­heit, da sie flexibel ein­gesetzt werden können und besonders häufig sicherheits­relevante Mängel auf­decken. Gleich­zeitig sind auch die Kontroll­zahlen des Bundes­amts für Zoll und Grenz­sicher­heit rück­läufig, was den Vollzugs­druck insgesamt schwächt. Für die Sicher­heit auf den Transit­achsen und den Schutz des Alpen­raums sind mehr statt weniger Kontrollen nötig. Pro Alps fordert, dass Kontrollen konsequent aus­gebaut werden, um gefährliche Fahr­zeuge früh­zeitig aus dem Verkehr zu ziehen.

Liefer­wagen im Fokus: Deutliche Zu­nahme bei Mängeln und Fahr­verboten
Besonders besorgnis­erregend ist die Entwicklung bei den Liefer­wagen, deren Zahl im alpen­querenden Verkehr seit Jahren steigt. 2025 wurden rund 70 Prozent mehr Liefer­wagen als noch im Vor­jahr kontrolliert und die Resultate sind alarmierend: Mehr als jeder fünfte kontrollierte Liefer­wagen wies technische Mängel auf, und bei rund jedem dritten beanstandeten Fahr­zeug war der Zustand so schlecht, dass die Weiter­fahrt sofort verboten werden musste. Damit wurden über doppelt so viele Liefer­wagen aus dem Verkehr gezogen als im Vorjahr. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass ein wachsender Teil dieses Verkehrs mit Fahr­zeugen erfolgt, die den Sicher­heits­an­forderungen nicht genügen und für den sensiblen Alpenraum nicht trag­bar sind. Pro Alps wird die Entwicklung bei Liefer­wagen künftig besonders kritisch verfolgen und Mass­nahmen diskutieren.

Schwer­verkehrs­kontrollen erfüllen mehrere zentrale Funktionen zu­gleich: Sie erhöhen die Verkehrs­sicherheit, schützen den sensiblen Alpen­raum und tragen zu fairen Wett­bewerbs­bedingungen zwischen Strasse und Schiene bei. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie wichtig diese Kontrollen für eine glaub­würdige Verlagerungs­politik sind.

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