Dramatische Entwicklungen im alpenquerenden Güterverkehr
Pro Alps
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Güterzug am Bahnhof Erstfeld, UR
Die vom Bund publizierten Verlagerungszahlen 2025 im alpenquerenden Güterverkehr zeigen: Es braucht dringend Massnahmen, um den Verlagerungsnotstand zu entschärfen.
Zweimal jährlich orientiert das Bundesamt für Verkehr (BAV) über den Stand im alpenquerenden Güterverkehr. Am Donnerstag, 12. März 2026, veröffentlichte das BAV den 2. Semesterbericht und hält darin fest: «Die im Jahr 2025 beobachtete Entwicklung des alpenquerenden Güterverkehrs ist aus verlagerungspolitischer Sicht als dramatisch zu bezeichnen.» Der alpenquerende Schienengüterverkehr verlor 2025 erneut deutlich an Boden, während die Zahl der Lastwagenfahrten mit 960’000 auf viel zu hohem Niveau stagniert. Der Schienenanteil sank auf 68,6 Prozent und ist damit so tief wie seit 10 Jahren nicht mehr. Das gesetzliche Verlagerungsziel von maximal 650’000 Lastwagenfahrten wird weiterhin massiv verfehlt.
Verlagerungsziel rückt weiter in die Ferne
Zu Recht spricht der Bund selbst von einer «dramatischen Entwicklung» aus verlagerungspolitischer Sicht. Die Schiene verlor 2025 gegenüber dem Vorjahr 1,9 Millionen Tonnen beziehungsweise 7,5 Prozent Transportvolumen. Damit verliert die Schiene bereits im vierten Jahr in Folge Marktanteile – im klaren Widerspruch zum verfassungsmässigen Verlagerungsauftrag.
«Die neuen Zahlen zeigen klar, dass die Verlagerungspolitik in einer schweren Krise steckt. Wenn die Schiene weiter Marktanteile verliert, wird der verfassungsmässige Alpenschutz schrittweise ausgehöhlt», sagt Nara Valsangiacomo, Präsidentin Pro Alps. Besonders brisant ist, dass 2025 die Rollende Landstrasse (Rola) noch in Betrieb war. Seit Ende 2025 ist dieses Angebot, bei dem ganze Lastwagen auf der Schiene befördert werden, frühzeitig eingestellt. Dies wird zu einer massiven Rückverlagerung von zehntausenden Lastwagen auf die Strasse führen. Für die sensiblen Ökosysteme sowie die lokale Bevölkerung bedeutet dies: noch mehr Lärm, Dreck und Stau.
Parlament ist am Zug – für mehr Schiene
Gleichzeitig berät das Parlament aktuell zentrale Geschäfte zur Verlagerungspolitik. Nach dem der Nationalrat es am vergangenen Montag deutlich verpasst hat, die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) in ihrer Verlagerungswirkung zu stärken, steht am kommenden Montag die Beratung zum im November publizierten Verlagerungsbericht an. In diesem Zusammenhang wird die Weiterführung der Betriebsbeiträge für den alpenquerenden unbegleiteten kombinierten Verkehr (UKV) nach 2030 behandelt. Angesichts der aktuellen Zahlen wäre ein Auslaufen dieser finanziellen Unterstützung verkehrspolitisch fahrlässig.
«Wer die neuen Verlagerungszahlen ernst nimmt, muss jetzt handeln. Der Nationalrat ist gefordert, dem Ständerat zu folgen und die UKV-Förderung zu verlängern. Das ist das Mindeste, um die strukturellen Nachteile der Schiene gegenüber der zu billigen Strasse etwas entgegenzuwirken», sagt SP-Nationalrat und Pro Alps Vorstandsmitglied David Roth. Er fügt hinzu: «Sonst wird aus der konkreten Gefahr, dass sich der negative Verlagerungstrend verstärkt, Realität – mit hunderttausenden zusätzlichen Transitlastwagen durch die Schweizer Alpen.»
LSVA-Revision als weiter wichtiger Hebel
Weitere Entscheide stehen bereits bevor: In der ständerätlichen Kommission wird als Nächstes die Revision der LSVA beraten. Höhere und verursachergerechte Abgaben für den Strassengüterverkehr könnten die strukturellen Nachteile der Schiene wirksam ausgleichen. Hier muss der Ständerat, die von der Lastwagenlobby bestimmten Beschlüsse im Nationalrat von vergangenem Montag, umgehend korrigieren.
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