Durchfahrtsabgabe: Chance für weniger Verkehr im Alpenraum
Pro Alps
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Autobahn bei Wassen im Kanton Uri
Pro Alps begrüsst die Annahme der Durchfahrtsabgabe für den Transitpersonenverkehr im Nationalrat. Der Entscheid ist ein wichtiges Signal zum Schutz des Alpenraums vor übermässigem Personenverkehr. Die Frühjahrsession in Bundesbern hinterlässt aus Alpenschutz-Perspektive jedoch insgesamt gemischte Gefühle.
In knapp zwei Wochen ist es wieder so weit: Über Ostern verstopfen Autos die Nord-Süd-Transitachsen auf dem Weg in den Süden und sorgen für Verkehrschaos, Lärm und Abgase im Alpenraum. Sobald der Verkehr stockt, weichen viele Reisende auf Kantons- und Gemeindestrassen aus und tragen das Verkehrselend in die Dörfer. Für die betroffene Bevölkerung bedeutet dies regelmässig massive Einschränkungen der Lebensqualität.
Vor diesem Hintergrund hat der Nationalrat einen wichtigen Entscheid getroffen: Er hat die Motion zur Einführung einer verkehrsabhängigen Durchfahrtsabgabe für den Transitpersonenverkehr angenommen. Damit folgte er dem Ständerat, der die Vorlage bereits im Herbst einstimmig gutgeheissen hatte. «Zu Verkehrsspitzenzeiten wie an Ostern leidet die Lebensqualität der Menschen entlang der Transitachsen im Alpenraum enorm», sagt Nara Valsangiacomo, Präsidentin von Pro Alps. «Eine Durchfahrtsabgabe kann helfen, Verkehrsspitzen zu brechen und somit den Ausweichverkehr durch die Dörfer zu reduzieren.»
Pro Alps fordert wirksame Umsetzung und zusätzliche Massnahmen
Aus Sicht von Pro Alps wäre eine dynamische Alpenmaut die wirksamste Lösung gewesen, da nicht nur der internationale Transitpersonenverkehr, sondern auch der inländische Freizeit- und Tourismusverkehr erheblich zur Belastung der Alpenregion beiträgt. Gleichzeitig hätte ein solches System das Risiko einer Benachteiligung des Tessins mit sich gebracht. Die nun beschlossene Durchfahrtsabgabe gilt lediglich für Personenfahrzeuge, die die Schweiz auf dem Strassenweg von einem Nachbarstaat in einen anderen durchqueren und keinen völkerrechtlichen Anspruch auf gebührenfreie Durchfahrt haben, ist aber dennoch verursachergerecht. Gerade am Gotthard stammen zu Verkehrsspitzenzeiten bis zu 80 Prozent der Fahrzeuge aus dem Ausland. «Verkehrspolitische Instrumente müssen konkret zur Entlastung des Alpenraums beitragen,» sagt Nara Valsangiacomo «Entscheidend ist, dass die Durchfahrtsabgabe rasch eingeführt und so ausgestaltet wird, dass sie tatsächlich eine Lenkungswirkung entfaltet.»
Bis dahin braucht es kurzfristige Entlastung durch konsequent eingesetzte temporäre Fahrverbote für den Ausweichverkehr auf den betroffenen Kantonsstrassen. Zudem fordert Pro Alps, dass die Einnahmen aus der Durchfahrtsabgabe der Verlagerungspolitik, dem öffentlichen Verkehr und den besonders betroffenen Alpenregionen zugutekommen und nicht in den Ausbau der Strasseninfrastruktur fliessen.
Weitere wichtige Beschlüsse der Frühjahrsession
Während das Parlament beim Transitpersonenverkehr einen ersten Schritt beschlossen hat, bleibt die Situation im alpenquerenden Güterverkehr weiterhin kritisch. Die neuesten Verlagerungszahlen zeigen eine alarmierende Entwicklung. Der Anteil der Schiene ist erneut gesunken, das Transportvolumen auf der Bahn ging 2025 weiter zurück. Damit verliert die Schiene das vierte Jahr in Folge Marktanteile an die Strasse. Der Bund selbst spricht von einer «dramatischen Entwicklung» aus verlagerungspolitischer Sicht.
Verpasste Chance bei der LSVA-Revision
In Anbetracht der Verlagerungszahlen 2025 ist es umso unverständlicher, dass der Nationalrat die Revision der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) nicht genutzt hat, um die Verlagerungspolitik zu stärken. Unter dem Vorwand der Dekarbonisierung wird der Strassengüterverkehr unnötig begünstigt und der eigentliche Zweck der LSVA unterwandert (Pro Alps berichtete). Einziger Hoffnungsschimmer ist, dass der Nationalrat heute einer Motion zugestimmt hat, die den Bundesrat dazu auffordert, die LSVA-Tarife nach Möglichkeiten des Landverkehrsabkommens endlich auszuloten. Das würde tatsächlich zu einer minimalen Verbesserung führen – falls der Ständerat die Entscheidung ebenfalls gutheisst. Gerade in der aktuellen Situation, in der die Verlagerung ins Stocken geraten ist, wäre eine wirksame LSVA entscheidend. Als nächstes ist es am Ständerat, die im Nationalrat getroffenen Fehlentscheidungen zu berichtigen.
Fortführung eines Verlagerungsinstrumentes beschlossen
Immerhin haben Ständerat und Nationalrat einer Motion zugestimmt, welche die Förderung des unbegleiteten kombinierten Verkehrs über das Jahr 2030 hinaus sichern soll. Dieser Entscheid ist wichtig, bleibt jedoch ein Minimalbeschluss angesichts der aktuellen Entwicklung. Positiv ist zudem der Entscheid des Ständerats, die Mittel für die Rollende Landstrasse auch nach deren vorzeitigem Aus weiterhin für die Verlagerungspolitik einzusetzen.
Pro Alps Vorstände reichen Interpellationen ein
Zudem haben die Pro Alps Vorstandsmitglieder und Nationalräte Christophe Clivaz, David Roth und Emmanuel Amoos in der Frühjahrsession drei Interpellationen zur aktuellen Verlagerungspolitik eingereicht. Sie betreffen insbesondere die Entwicklung im Wagenladungsverkehr (WLV) sowie die zunehmende Belastung auf der Lötschberg-Simplon-Achse. Die Forderung ist klar: Mehr Transparenz und konkrete Massnahmen, um Fehlentwicklungen in der Güterverlagerung rasch zu korrigieren.
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