Stau Gotthard auf der A2

Stau Gotthard auf der A2

So sicher wie der Föhn im Urner Reuss­tal: Zu Ostern rollt die motorisierte Blech­lawine Richtung Süden. Zurück bleiben Lärm und Dreck – eine grosse Belastung für Mensch und Natur. Bund und Kantone müssen das Problem endlich an den Wurzeln packen.

 

«Bis zu 11 Kilo­meter Stau vor dem Gotthard-Nord­portal», wer kennt Meldungen wie diese nicht? Gerade um das lange Oster­wochen­ende wird noch mehr Verkehr auf den Nord-Süd-Transit­achsen erwartet. Doch damit nicht genug, sobald die Auto­bahnen überlastet sind, weichen Auto­fahrende, obwohl die Pässe noch nicht geöffnet sind, auf Kantons- und Gemeinde­strassen aus. Sie fahren mitten durch Berg­dörfer, in der Hoffnung ein bisschen Stau zu umfahren. Den Preis zahlen die Menschen vor Ort und die sensiblen Öko­systeme im Alpen­raum: verstopfte Dorf­zentren, steigende Unfall­risiken, gesundheits­schädlicher Lärm und Abgase sowie ein erheblicher Verlust an Lebens­qualität sind die Folge. Doch statt Solidarität mit der Bevölkerung in den betroffenen Dörfern und Tälern zu zeigen, wird den Ver­ursachenden die grösste Bühne geboten und ihr «Stau-Leid» in den langen Kolonnen beklagt.

Not macht erfinderisch
Die betroffenen Regionen handeln not­gedrungen. Entlang der Gotthard­routen werden beispiels­weise die Auto­bahn Ein- und Aus­fahrten gesperrt, wenn das Verkehrs­aufkommen zu hoch wird. Bei der A13 in Grau­bünden kommen an Wochen­enden mit hohem Verkehrs­auf­kommen Dosier­systeme zum Einsatz, die den Verkehr auf den Kantons­strassen zurückhalten sollen. Domat/Ems testet dieses Jahr erstmals die sogenannte «Blue Line»: eine Ausweich­route, die nur für Anwohnende und den öffentlichen Verkehr freigegeben ist. Die bisherigen Massnahmen reichen jedoch nicht aus, um den steigenden Druck auf eine inter­nationalen Transit­achse abzufedern und die Bevölkerung besser zu schützen. Im besten Fall lindern sie die Symptome kurz­fristig.

Bund und Kantone müssen endlich schützen
Der Bund ist verpflichtet, das Alpen­gebiet vor dem Transit­verkehr zu schützen und dessen negative Auswirkungen auf ein un­schädliches Ausmass zu begrenzen. Das ist ein Verfassungs­auftrag und dafür setzt sich Pro Alps seit jeher vehement ein. Wenn heute einzelne Gemeinden zu Sperrungen, Dosierungen oder Sonder­regelungen greifen, ist das vor allem eines: ein Hilfe­ruf. Denn Bund und Kantone haben sich zu lange aus der Verantwortung gestohlen und die Last nach unten delegiert. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die in der Früh­jahr­session beschlossene, verkehrs­abhängige Durch­fahrts­abgabe für den Transit­personen­verkehr. Wird sie konsequent und wirksam ausgestaltet, kann sie den Druck spürbar senken.

Fahr­verbote: Der Bund muss Wort halten
Bis zur Um­setzung der Durch­fahrts­abgabe vergehen Jahre. So lange kann die Bevölkerung in den betroffenen Tälern nicht warten. Es braucht deshalb kurz­fristige Mass­nahmen, etwa temporäre Fahr­verbote gegen den zu­nehmenden Ausweich­verkehr. Pro Alps hat sich im National- und Stände­rat dafür ein­gesetzt, dass Kantone solche Fahr­verbote eigen­ständig an­ordnen können, ohne dass der Bund den Ent­scheid nach­träglich kippt. Das Parlament hat diesen Vorschlag ab­gelehnt. Aus­schlag­gebend war die Aus­sage von Bundes­rat Albert Rösti, Fahr­verbote seien für die Kantone bereits heute möglich, und der Bund sei offen für Lösungen; er stellte sich in der Debatte sogar persönlich zur Verfügung, falls sich Bundes­stellen un­gerecht­fertigt quer­stellen. Pro Alps nimmt Bundesrat Rösti beim Wort. Jetzt muss der Bund beweisen, dass er die Kantone nicht aus­bremst, sondern schützt.

Selbst vom über­bordenden Verkehr betroffen?
Pro Alps ist die Stimme der Alpen und ihrer Bewohnenden. Drum möchten wir das Bild zeigen, das sonst niemand macht – nicht den Stau, sondern seine Aus­wirkungen auf die Menschen, die hier leben. Leben Sie entlang der viel­befahrenen Transit­achsen und kennen den Oster­stau aus Perspektive der Betroffenen?
Schicken Sie uns Ihr Foto und einen Satz – anonym oder mit Ihrem Namen. Wir ver­öffentlichen die ein­drück­lichsten Beiträge auf unseren Kanälen.

Melden Sie sich unter info@proalps.ch (Betreff: Das andere Oster­bild)

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