Einzelwagenladungsverkehr (EWLV)

Der Ab­bau im Einzel­wagen­ladungs­verkehr (EWLV) hat fatale Folgen für Ver­lagerung, Umwelt und Versorgungs­sicher­heit. Pro Alps kritisiert das Vorgehen von SBB Cargo scharf.

 

Mit einer so­genannten «Neu­aus­richtung» verstärkt SBB Cargo den seit Jahren laufenden Ab­bau in ihrem Kern­geschäft, dem so­genannten Einzel­wagen­ladungs­verkehr (EWLV). Das Cargo Management möchte massiv Bedien­punkte streichen, Personal ab­bauen und Verkehre aus dem Netz drängen. Damit schwächt die SBB-Tochter die Verlagerung des Güter­verkehrs von der Strasse auf die Schiene und gefährdet die Versorgungs- und Verkehrs­sicher­heit.

Abbau trotz staatlicher Unterstützung
Der EWLV ist von grosser volks­wirtschaftlicher Bedeutung und verbindet Produktions­stand­orte, Lager, Terminals und Unter­nehmen in der ganzen Schweiz. Ent­sprechend hat das Parlament im Früh­jahr 2025 im Rahmen der Revision des Güter­transport­gesetz (GüTG) hunderte Millionen Franken beschlossen, um den EWLV über Jahre zu stärken. Trotz staatlicher Unter­stützung schwächt SBB Cargo den EWLV massiv. Der Bund trägt als Eigen­tümer die Verantwortung ein­zu­greifen.

Neuer Wein in alten Schläuchen – nur der Wein wurde teurer
Unter dem Deck­mantel der Eigen­wirtschaftlich­keit wird mit der so­genannten «Neu­aus­richtung EWLV» die Zer­schlagung eines volks­wirtschaftlich hoch­relevanten Systems fort­gesetzt. Denn SBB Cargo baut seit Jahren ab, re­strukturiert und fährt Leistungen zurück. Das Defizit im EWLV wurde damit jedoch nicht behoben. Im Gegenteil: 2025 resultierte erneut ein Verlust von 122 Millionen Franken. Wenn nach einer Serie von Re­strukturierungen erneut mit den­selben Rezepten weiter­gemacht wird, ist das alles andere als viel­ver­sprechend. Die schwarze Null droht dann er­reicht zu werden, wenn es den EWLV nicht mehr gibt. Das darf nicht passieren!

Unter Führung des SBB Cargo Chefs Alexander Muhm wurde die Preis­politik zudem ver­schärft. Im Markt ist von durch­schnittlichen Preis­steigerungen von rund 20 Prozent die Rede. Zusammen mit einem problematischen Um­gang mit Kundinnen und Kunden und dem Weg­fallen von Bedien­punkten, drängt SBB Cargo die Verkehre aktiv aus dem EWLV. Die SBB betont heute zwar, sie könne 98 Prozent der Verkehre im EWLV halten und habe neue Verträge mit Lauf­zeiten von bis zu zehn Jahren ab­geschlossen. Aus Kunden­sicht wird jedoch auf jährliche Reduktions­klauseln verwiesen, ebenso auf eine aktive Motivation, Transporte dort wo möglich aus dem EWLV heraus­zu­lösen. Das ist für das Gesamt­system EWLV fatal.

Die SBB spielt ein riskantes Spiel
Der Aus­blick ist ent­sprechend düster. 2030, nach Ende der ersten vier­jährigen Förder­periode des Bundes unter dem neuen Gesetz, dürfte der EWLV nur noch auf einem kleineren Netz statt­finden, während sich Kunden nach Alternativen umsehen, sei es auf der Strasse oder im Ganz­zugs­verkehr. Das ab­seh­bare Resultat wäre ein weiter geschwächtes Netz und trotzdem an­haltende Verluste beim EWLV, sowie insgesamt weniger Bahn­verkehr und mehr Last­wagen. Dann wird sich erneut die­selbe Grund­satz­frage wie schon vor der Revision des Güter­transport­gesetzes (GüTG) stellen: Will die Politik den EWLV weiter sub­ventionieren – oder lässt sie ihn fallen? Nur wäre die Debatte dann unter nochmals schlechteren Vor­aus­setzungen zu führen.

Ein Déjà-vu aus dem kombinierten Verkehr
Bereits bei der voran­gegangenen Neu­aus­richtung des kombinierten Verkehrs (KV) zeigte sich das­selbe Muster: Die SBB stellte die Bedienung von 8 der 10 KV-Terminals ein und verwies gleich­zeitig auf glanz­volle Zeiten in der Zukunft. Die Um­strukturierung betraf ins­besondere den Kanton Tessin, wo zwei von drei Terminals still­gelegt wurden und 40 qualifizierte Arbeits­plätze verloren gingen. Die aktuelle Mass­nahme verstärkt diesen Trend, was un­gewisse Folgen für den Güter­verkehr mit sich bringt.
Dieses gleich­zeitige Zurück­fahren, Ab­bauen und Ver­trösten auf eine spätere heile Welt hat Pro Alps bereits im Sommer 2025 nicht über­zeugt. Und die aktuellen Ent­wicklungen in der von SBB Cargo angebotenen Nord-Süd-Ver­bindung im KV scheinen diese kritische Haltung zu bestätigen: der Test­betrieb «SBB Cargo Cargolink» läuft gemäss Medien­berichten schlecht an. Genau das droht nun auch im EWLV. Erneut wird ein System geschrumpft, während in Aus­sicht gestellt wird, es dadurch lang­fristig zu sichern.

Am Dienstag­abend, 19. Mai 2026, findet um 20.30 Uhr in Chiasso beim Cinema Teatro eine Kund­gebung gegen den Ab­bau bei SBB Cargo statt. Pro Alps Präsidentin Nara Valsangiacomo ist Teil des Komitees und wird vor Ort sein, um ein Zeichen gegen die Ab­baupolitik und für den Alpen­schutz zu setzen.

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