Immer mehr Freizeit- und Tourismusverkehr belastet die Alpen
Pro Alps
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So ruhig und geordnet geht es auf dem Furkapass und anderen Ausflugszielen leider immer seltener zu.
Mit dem Auto zum Ausgangspunkt der Wanderung oder mit dem Töff über einen Pass – für die Alpen ist dies vor allem eins, eine Belastung: Stau, Lärm, schlechte Luft und Flächenverbrauch. Die Folgen spüren nicht nur sensible Ökosysteme, sondern auch die lokale Bevölkerung.
An schönen Wochenenden rollen Blechkolonnen durch die Alpentäler und es wird sichtbar, was Zahlen längst zeigen: Der Freizeit- und Tourismusverkehr nimmt stark zu. Der Bund unterscheidet seit 2024 zwischen Freizeitverkehr mit meist kürzeren Wegen im gewohnten Umfeld und Tourismusverkehr mit längeren Reisen, Tagesausflügen oder Übernachtungen. Beide wachsen, besonders der touristische Verkehr. Bis 2050 dürfte die Mobilität für Freizeit- und Tourismuszwecke laut Bund um über 40 Prozent zunehmen.
Schon heute entfällt mehr als die Hälfte der Verkehrsleistung in der Schweiz auf Freizeit- und Tourismusmobilität. Der touristische Verkehr allein macht rund einen Viertel des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Für den Alpenraum ist das keine Randnotiz, sondern eine Schlüsselfrage.
Die Alpen zahlen den Preis
Für einige mag das Auto Freiheit und womöglich Erholung versprechen, für die Alpen bedeutet es oft das Gegenteil, nämlich volle Strassen, Lärm, schlechte Luft und zerschnittene Landschaften. In engen Tälern hallt der Verkehr nach, Schadstoffe bleiben hängen, und jeder neue Parkplatz nimmt ein Stück wertvollen Lebensraum. Auch die Menschen vor Ort leiden unter diesen Belastungen – sie sind dem Ausweichverkehr und nicht selten Stau vor der Haustür immer häufiger ausgesetzt.
Wenn die Alpen Erholungsraum bleiben sollen, reichen gute Absichten nicht aus. Es braucht endlich strategische politische Entscheide, die den Verkehr wirksam begrenzen und umweltfreundliche Mobilität konsequent stärken. Dafür wird sich Pro Alps in Zukunft vermehrt einsetzen.
«öV-Anteil erhöhen ist entscheidend»
Christophe Clivaz, viele Alpendestinationen leben vom Tourismus und leiden gleichzeitig unter dem Verkehr. Wo siehst du die grössten Zielkonflikte, aber auch Chancen?
Tourismus bedeutet per Definition reisen, leider meist mit dem Auto. Die Anreise verursacht oft den grössten Teil des CO₂-Fussabdrucks von Ausflügen in die Alpen. In stark frequentierten Tälern führt der Verkehr zudem zu Überlastung und Unzufriedenheit bei der Bevölkerung. Entscheidend wird sein, den Anteil des öV zu erhöhen und an die Freizeitbedürfnisse anzupassen. Erste Schritte gibt es bereits, etwa mit zusätzlichen Zügen oder Direktverbindungen an Wochenenden. Ebenso wichtig ist es, die Aufenthaltsdauer zu verlängern, damit weniger häufig anund abgereist wird.
Was kann Pro Alps konkret beitragen?
Pro Alps ist heute vor allem beim alpenquerenden Güterverkehr stark. Künftig kann die Organisation auch beim Freizeit- und Tourismusverkehr eine wichtige Rolle übernehmen. Es fehlt bislang an einer Stimme, die sich gezielt mit diesen Themen im Alpenraum befasst. Pro Alps bringt dafür gute Voraussetzungen mit: regionale Verankerung, Fachwissen und die Fähigkeit, lokale Akteure zu mobilisieren und gute Beispiele sichtbar zu machen.
Welche Verantwortung trägt die Politik?
Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, vor allem beim öffentlichen Verkehr. Was heute fehlt, ist eine nationale Strategie für den Freizeit- und Tourismusverkehr. Aus diesem Grund habe ich mit Unterstützung von Pro Alps ein Postulat in diesem Sinne eingereicht, das demnächst im Nationalrat behandelt wird.
Christoph Clivaz ist Nationalrat VS und Mitglied des Vorstands von Pro Alps. Er arbeitet als assoziierter Professor im Tourismus am Institut für Geografie und Nachhaltigkeit der Universität Lausanne. Die Alpen erkundet er gerne zu Fuss.
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