Trotz Millionenhilfen des Bundes bleibt der Einzelwagenladungsverkehr rückläufig. Pro Alps fordert deshalb klare politische Vorgaben, damit Fördergelder nicht den Abbau, sondern die Verlagerung finanzieren.
Die neuen Semesterzahlen bestätigen die Sorge von Pro Alps: SBB Cargo verliert im Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) weiter an Boden. Die Transportleistung lag im ersten Halbjahr 2026 knapp 5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Von einer Trendwende kann keine Rede sein. Trotz Bundesbeiträgen von 40 Millionen Franken allein im ersten Halbjahr bleibt der EWLV rückläufig. Zwar verringerte sich das Defizit gegenüber dem Vorjahr von rund 40 auf 12 Millionen Franken. Diese Verbesserung ist jedoch vollständig auf die Bundesgelder zurückzuführen. Die finanzielle Lage hat sich damit nicht nachhaltig verbessert. Gleichzeitig gingen weitere Gütertransporte für die Schiene verloren.
Rückverlagerung auf Schweizer Strassen
SBB Cargo erhöht die Preise, verkleinert das Netz, baut Wagenvarianten ab und reduziert das Angebot. Damit macht sie es Kundinnen und Kunden immer schwerer, ihre Güter auf der Schiene zu halten. Dass die transportierten Mengen bisher nur moderat zurückgehen, ist kein Grund zur Entwarnung. Viele Kundinnen und Kunden können ihre Logistik nicht kurzfristig umstellen. Der eigentliche Rückzug könnte deshalb erst zeitverzögert sichtbar werden. Wenn Alternativen aufgebaut sind, wechseln diese Verkehre, wenn möglich auf Ganzzüge – da wo das Volumen vorhanden ist – oder drohen auf die Strasse abzuwandern.
Fördergelder müssen verlagern
Der Bund unterstützt SBB Cargo bis 2029 mit 260 Millionen Franken. Diese Gelder müssen an klare verkehrspolitische Ziele gebunden werden. Entscheidend sind nicht nur finanzielle Kennzahlen, sondern auch ein leistungsfähiges Angebot und die Verhinderung von Rückverlagerungen auf die Strasse. Pro Alps fordert deshalb, Eignerziele, Leistungsvereinbarung und Gütertransportgesetz (GüTG) konsequent auf die Verlagerung auszurichten.
Kein flächendeckender EWLV zum Nulltarif
Es greift zu kurz, den Rückgang im EWLV allein SBB Cargo anzulasten. Das Problem liegt tiefer: Politik und Wirtschaft wollten einen flächendeckenden, leistungsfähigen EWLV und halten gleichzeitig am Ziel der Eigenwirtschaftlichkeit fest. Ein Verlagerungsziel, wie es Pro Alps gefordert hatte, wurde im GüTG durch das Parlament explizit gestrichen. Unter den heutigen Rahmenbedingungen ist dieser Anspruch widersprüchlich: Die Strasse bleibt zu billig, der Druck auf die Schiene ist hoch, Gewinne für Investitionen fehlen und die Fördergelder sind zeitlich befristet. So wird nicht Verlagerung gesichert, sondern Abbau programmiert. Bund und Parlament müssen sich deshalb ehrlich entscheiden: Wollen sie den EWLV aus volkswirtschaftlichem Interesse erhalten und entsprechend finanzieren? Oder nehmen sie in Kauf, dass er Stück für Stück verschwindet, während der Rückzug noch mit Bundesgeldern begleitet wird?
Wer einen flächendeckenden EWLV will, muss bereit sein, ihn zu finanzieren. Alles andere ist organisierter Abbau.
Pro Alps
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