Verlagerungskrise erreicht die Verkehrskommission
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Lkw-Stau auf der Autobahn vor dem Grenzübergang
Die KVF-N lehnt zusätzliche Abschwächungen der LSVA ab. Bezeichnend: Am selben Tag diskutiert die Kommission über die Verlagerungskrise im Güterverkehr. Gleichzeitig hält sie an einer LSVA-Revision fest, die den Strassengüterverkehr begünstigt und die Verlagerung auf die Schiene schwächt.
Der Nationalrat hatte bereits an der Frühjahrsession im März eine Teilrevision der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) beschlossen, welche die Verlagerungswirkung weiter aushöhlt. Überhöhte und zu lange Rabatte für neue Diesel- und E-Fahrzeuge begünstigen den Strassengüterverkehr zulasten der umweltfreundlichen Schiene. Gleichzeitig sollen alte Diesel-Lastwagen erst ab 2029 mehr LSVA bezahlen – nachdem sie während 15 Jahren von Billigstpreisen auf Kosten der Verlagerung und des Umweltschutzes profitiert haben. Der Ständerat wollte die Vorlage in der Sommersession mit drei zusätzlichen Änderungen weiter aufweichen. Die nationalrätliche Verkehrskommission (KVF-N) geht diesen Weg nun zumindest nicht mit und hält bei allen drei Differenzen an den Beschlüssen des Nationalrates fest.
Starre Vorgaben gestrichen
Wichtig ist insbesondere der Entscheid, die starre Siebenjahresfrist für jede Änderung bei der Einteilung der Fahrzeugkategorien abzulehnen. Es darf nicht sein, dass unter dem Titel Planungssicherheit notwendige LSVA-Anpassungen über Jahre blockiert werden. Die Kommission anerkennt damit, dass der Bundesrat bei der LSVA auf eine gewisse Flexibilität angewiesen ist, wenn die LSVA Dekarbonisierung, Verkehrsverlagerung und die Finanzierung der Bahninfrastruktur weiterhin unterstützen soll. Ebenfalls richtig ist, dass die Kommission Tarifuntergrenzen und Tarifobergrenzen der LSVA nicht im Gesetz verankern will. Auch bei den Rabatten für neue Diesel-Fahrzeuge (EURO-7) hält sie an einer Kann-Formulierung und einem Rabatt von höchstens 15 Prozent fest. Damit bleibt dem Bundesrat mehr Spielraum als mit der starren Lösung des Ständerats.
Die LSVA muss Kostenwahrheit schaffen, die Verlagerung stärken und die Finanzierung der Schiene sichern. Sie darf nicht durch zusätzliche Ausnahmen, Rabatte und fehlende Anpassungen weiter an Wirkung verlieren.
Kommission beschäftigt sich mit Rückverlagerung auf die Strasse
Bezeichnend ist deshalb der zweite Teil der Kommissionssitzung. Die KVF-N liess sich wegen der derzeit zu beobachtenden Rückverlagerung des Güterverkehrs auf die Strasse von Branchenvertreterinnen und Branchenvertretern über die aktuellen Entwicklungen im Schienengüterverkehr informieren. Zudem beauftragte sie die Verwaltung mit zusätzlichen Abklärungen zum Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) und will die Diskussion voraussichtlich im Herbst fortsetzen.
Für Pro Alps zeigt diese Kombination deutlich, wo das Problem liegt: Die Politik kann nicht am Vormittag die Wirkung der LSVA schwächen und am Nachmittag die Verlagerungskrise beklagen. Wer mehr Güter auf der Schiene will, muss die zentralen Instrumente dafür stärken. Dazu gehört eine wirksame LSVA genauso wie ein klarer politischer Auftrag an SBB Cargo für mehr Verlagerung im Inland. Die nächsten Entscheide werden zeigen, ob die Kommission aus der erkannten Krise auch die richtigen Konsequenzen zieht.
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