SCHWEIZ PRO ALPS LSVA AKTION BUNDESPLATZ

Aktion zur «leistungsabhaengigen Schwerverkehrsabgabe» (LSVA) von Pro Alps fotografiert am Mittwoch, 16. September 2026 auf dem Bundesplatz in Bern.

Tatort Alpenschutzartikel:
LSVA-Revision zemen­tiert Ver­fassungs­bruch

Mit einer sym­bolischen Tatort-Aktion auf dem Bundes­platz ging Pro Alps heute einem Ver­brechen gegen die Alpen auf die Spur: Die laufende LSVA-Revision schwächt das wichtigste Instru­ment der Schweizer Ver­lagerungs­politik und zementiert damit den Gesetzes- und Ver­fassungs­bruch.

Der Hinter­grund: Die Bundes­ver­fassung ver­pflichtet Bund und Parlament, den alpen­querenden Güter­verkehr von der Strasse auf die Schiene zu ver­lagern und die Alpen vor den negativen Aus­wirkungen des Transit­verkehrs zu schützen. Konkret sieht das Ver­lagerungs­gesetz vor, die Zahl der alpen­querenden Last­wagen­fahrten auf höchstens 650’000 pro Jahr zu senken.

LSVA wird stumpf ge­halten
Die Leistungs­ab­hängige Schwer­verkehrs­ab­gabe (LSVA) ist eines der wichtigsten Instru­mente der Schweizer Ver­­lagerungs­­politik. Sie soll den Strassen­güter­ver­kehr ver­ur­sacher­gerecht be­lasten und die Ver­­lagerung auf die Schiene fördern. Heute fahren jedoch mehr als 90 Prozent der Lastwagen in der günstigsten Tarif­kategorie. Da­durch ver­liert die LSVA zu­nehmend an Lenkungs­wirkung. Die aktuelle Revision korrigiert diese Ent­wicklung aus Sicht von Pro Alps nicht aus­reichend. Diesel-Last­wagen profitieren weiter­hin von lang­fristigen Ver­günsti­gungen, Elektro-Last­wagen werden nur schritt­weise in das System ein­be­zogen und eine ver­lässliche An­passung der Tarife an die Teuerung fehlt.

«Die LSVA ge­hört zu den wichtigsten Pfeilern der Schweizer Ver­lagerungs­politik. Statt ihre Wirkung zu stärken, bleibt die aktuelle Revision weit hinter dem Ver­fassungs­auf­trag zurück», sagt Nara Valsan­giacomo, Präsidentin von Pro Alps.

Die Vital­zeichen sind alar­mierend
Von diesem Ver­lagerungs­ziel ent­fernt sich die Schweiz der­zeit wieder. Im Jahr 2025 querten rund 960’000 Last­wagen die Alpen, im ersten Halb­jahr 2026 bereits mehr als 500’000. Gleich­zeitig ver­liert die Schiene Markt­an­teile an die Strasse.

«Die Fieber­kurve zeigt seit Jahren in die falsche Richtung. Die neuesten Zahlen be­legen, dass die Schweiz den Ver­fassungs­auf­trag nicht er­füllt und sich vom Ver­lagerungs­ziel weiter ent­fernt», sagt Emmanuel Amoos, National­rat VS und Vor­stands­mit­glied von Pro Alps. Besonders alar­mierend ist, dass der alpen­querende Last­wagen­verkehr in der Schweiz im ersten Halb­jahr 2026 doppelt so stark ge­wachsen ist wie am Brenner. Das zeigt, dass die Schweiz ihre Vor­reiter­rolle in der Ver­lagerungs­politik zu­nehmend ver­liert.

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Die Alpen zahlen die Rechnung
Die Folgen dieser Ent­wicklung sind in den Alpen­regionen längst spür­bar: mehr Lärm, mehr Luft­ver­schmutzung, mehr Staus und höhere Klima- und Umwelt­be­lastungen. Jahr für Jahr hinter­lässt der Last­wagen­ver­kehr einen volks­wirt­schaftlichen Schaden von rund 3,5 Milliarden Franken. Diese Kosten werden nicht durch LSVA und andere Ab­gaben ge­deckt, sondern auf die All­gemein­heit ab­ge­wälzt. «Die Menschen ent­lang der Transit­achsen leiden unter mehr Ver­kehr, mehr Lärm und mehr Luft­ver­schmutzung. Gleich­zeitig bleiben jedes Jahr Milliarden­kosten des Schwer­ver­kehrs an der All­ge­mein­heit hängen», sagt Amoos.

Bundes­rat und Parla­ment nutzen den Hebel nicht
«Die LSVA wurde ge­schaffen, um die Ver­lage­rung auf die Schiene zu för­dern und die Alpen zu schützen. Statt dieses Instru­ment zu stärken, ge­wichtet die aktuelle Revi­sion die Inte­ressen der Strassen­trans­port­branche stärker als den Ver­fassungs­auf­trag», sagt David Roth, National­rat LU und Vor­stands­mit­glied von Pro Alps. Bundes­rat und Parla­ment schöpfen den vor­handenen Hand­lungs­spiel­raum nicht aus. Das Land­ver­kehrs­ab­kommen mit der EU er­laubt deut­lich höhere LSVA-Tarife, als die Schweiz heute er­hebt. Auch auf einen Teuerungs­aus­gleich ver­zichtet die Vor­lage. «Seit Jahren wird die Schuld für zu­nehmende Last­wagen­fahrten im Aus­land ge­sucht. Dabei liegt ein wirk­samer Hebel in der Schweiz selbst. Wer den Alpen­schutz ernst nimmt, muss die Möglich­keiten der LSVA konse­quent nutzen», sagt Roth.

Pro Alps fordert eine wirk­same LSVA
Für Pro Alps ist klar: Die LSVA muss wieder konse­quent auf die Ver­lagerung des Güter­ver­kehrs auf die Schiene aus­ge­richtet werden. Dazu braucht es Kosten­wahr­heit statt lang­fristiger Ver­günsti­gungen für Diesel-Last­wagen, eine ver­lässliche An­passung der LSVA an die Teuerung sowie eine rasche und ver­ur­sacher­ge­rechte Ein­bindung von Elektro-Last­wagen.

Die sym­bolische Tatort­unter­suchung schliesst Valsan­giacomo mit einem klaren State­ment: «Die Be­weise liegen auf dem Tisch. Die laufende Revision be­seitigt den Wider­spruch zu Gesetz und Ver­fassung nicht, sondern zemen­tiert ihn. Der Fall ist auf­ge­klärt. Nun sind Bundes­rat und Parla­ment ge­fordert, den Ver­fassungs­auf­trag endlich um­zu­setzen und die LSVA wirk­sam aus­zu­ge­stalten.»

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