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Güterzüge des kombinierten Verkehrs können rund 50 Ladungen transportieren, die sonst alle einzeln auf der Strasse unterwegs wären.

Seit 2021 nimmt der alpen­que­rende Last­wagen­verkehr wieder zu. Pro Alps kämpft dafür, dass die Ver­la­gerungs­politik neuen Schwung aufnimmt.

sg. Lange wirkte es, als sei die Ver­la­ge­rungs­politik auf Kurs. Seit 2021 steigen die Last­wagen­fahrten durch die Schweizer Alpen jedoch wieder an. 2025 waren es rund 960’000 Fahrten, weit mehr als das ge­setz­liche Ziel von höchstens 650’000. Mit dem Ende der Rol­lenden Land­strasse (Rola) droht 2026 sogar die Mil­lionen­grenze über­schritten zu werden. Das ist ein klarer Bruch mit dem Ver­fassungs­auf­trag zum Schutz des Alpen­gebiets vor dem Transit­verkehr.

Politik be­gün­stigt die Strasse
Im Bundes­haus wird zu SBB Cargo, der För­derung des alpen­que­renden Schie­nen­güter­ver­kehrs und der Leis­tungs­ab­hängige Schwer­ver­kehrs­abgabe (LSVA) be­raten. Hinter allen drei Dossiers steht die­selbe Frage: Bringt die Schweiz wieder mehr Güter auf die Schiene oder wird die Strasse weiter be­günstigt?

SBB Cargo: Ver­lagerung statt nur Eigen­wirt­schaft­lich­keit
Viele Last­wagen, die heute die Alpen queren, trans­portieren Güter inner­halb der Schweiz oder im Import- und Ex­port­verkehr. Wer die Ver­lagerung durch die Alpen stärken will, muss deshalb auch den Schweizer Schienen­güter­verkehr stärken. Eine Schlüssel­rolle spielt der Einzel­wagen­ladungs­verkehr (EWLV) von SBB Cargo: Güter­wagen werden ge­sammelt, neu zu­sammen­ge­stellt und ans Ziel gebracht. Rund 60 Prozent der Wagen im Schweizer Schienen­güter­verkehr laufen über dieses System.

Der EWLV ist das Herz­stück des Schweizer Schienen­güter­verkehrs. Deshalb stand er bei der Revision des Güter­trans­port­gesetzes (GüTG) im Zentrum und erhält kün­ftig Bundes­gelder. Das Par­lament stellte die För­derung jedoch nicht primär in den Dienst der Ver­lagerung, sondern der Eigen­wirt­schaft­lich­keit. Die Gelder sind be­fristet und sollen die heutige An­bieterin SBB Cargo fit für den Markt machen. Ent­sprechend prägten Spar­programme, An­gebots­ab­bau und geschlossene Bedien­punkte die ver­gan­genen Monate. Die Be­deutung des EWLV für die Ver­lagerung geriet dabei zunehmend in den Hinter­grund.

Pro Alps kritisierte diese Aus­richtung bereits im Par­lament. Wir for­derten, die För­derung des EWLV an ein Ver­lagerungs­ziel zu knüpfen. Denn die Schiene kon­kur­riert mit einem Verkehrs­träger, der viele Kosten auf Umwelt, Klima, Gesund­heit und Allgemein­heit ab­wälzt. Wird der Schienen­güter­verkehr vor allem an seiner Ren­ta­bili­tät gemessen, verliert die Bahn im unfairen Wett­bewerb mit der zu bil­ligen Strasse weiter an Boden.

Die Zahlen zeigen das Miss­verhältnis: Der Bund inves­tiert über acht Jahre jährlich rund 65 Millionen Franken in den system­rele­vanten EWLV. Gleich­zeitig ver­ursacht der Strassen­güter­verkehr externe Kosten von rund 3,2 Milliarden Franken pro Jahr. Wer von der Schiene Eigen­wirt­schaft­lich­keit verlangt, muss auch über die Kosten der Strasse sprechen. Genau dort setzt die LSVA an.

LSVA: wich­tiges Ver­lagerungs­ins­trument unter Druck
Die Leis­tungs­ab­hängige Schwer­verkehrs­abgabe (LSVA) soll Kosten anlasten, die der Stras­sen­güter­verkehr sonst der All­gemein­heit über­lässt. Sie ist damit poten­ziell ein sehr wirk­sames und wich­tiges In­stru­ment der Schweizer Ver­lagerungs­politik. Doch statt sie zu stärken, wird sie aus­gehöhlt: Fast alle Last­wagen fahren heute in der gün­stig­sten Ab­gabe­kate­gorie, die Tarife ver­lieren ohne Teuerungs­an­passung an Wir­kung, und die Last­wagen­lobby fordert neue Rabatte und Aus­nahmen.

Im Zen­trum der aktuel­len Revision steht, ob die LSVA als zen­trales Ver­lagerungs­instrument gestärkt oder durch zu­sätzliche Rabatte und Aus­nahmen weiter aus­gehöhlt wird. Pro Alps bringt Ar­gumente für die Stär­kung der LSVA ins Par­lament und an die Medien. Ausser­dem machen wir den pro­ble­matischen Ein­fluss der Last­wagen­lobby sichtbar.

Die Ver­lagerungs­politik steht damit an einem Wende­punkt. Die Politik muss den Ver­fassungs­auf­trag zum Schutz der Alpen endlich wieder ernst nehmen. Die Schweiz braucht eine stärkere Schiene und eine Strasse, die ihre Kosten fairer trägt. Dafür setzt sich Pro Alps in Bern und in der Öf­fent­lich­keit weiterhin mit aller Vehemenz ein.

«Der Alpenschutz steht in der Verfassung. Bund und Parlament müssen geltendes Recht endlich respektieren und umsetzen.»

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Silvan Gnos

Leiter Politik

  • Aktion auf dem Bundesplatz «Tatort: Verfassungsbruch – Art. 84 BV»
    Mit der symbolischen Tatortuntersuchung machten wir deutlich: Die revidierte LSVA droht ihren Zweck als wirksames Verlagerungsinstrument zu verlieren. Damit gerät auch der in Artikel 84 der Bundesverfassung verankerte Auftrag, den alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, zunehmend unter Druck. Die Verlagerungspolitik blieb in der politischen Debatte weitgehend auf der Strecke – genau dagegen richtete sich unsere Aktion.
Fotos zur Aktion
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