10 Jahre Gotthard-Basistunnel: Verlagerungsauftrag bleibt unerfüllt
Pro Alps
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Am 1. Juni 2016 wurde mit dem Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. 57 Kilometer mit dem klaren Ziel, den alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Dies feierte Pro Alps (damals Alpen-Initiative) mit einem Herz aus biologisch abbaubaren Ballons.
Zehn Jahre nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels zieht Pro Alps eine ernüchternde Bilanz: Die Infrastruktur für die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs ist vorhanden, doch der Verfassungsauftrag zum Schutz der Alpen wird weiterhin nicht erfüllt.
Mit 64 Prozent sagte die Schweizer Stimmbevölkerung 1992 Ja zur Neuen Eisenbahn-Alpentransversale NEAT und damit auch Ja zu einem verkehrspolitischen Versprechen: Der Bundesrat stellte im Abstimmungsbüchlein in Aussicht, dass mit der NEAT der überwiegende Teil des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene verlagert werden könne. 1994 unterstrich das Volk den Verlagerungswillen mit der Alpeninitiative und verankerte den Verlagerungsauftrag zum Schutz der Alpen verbindlich in der Verfassung.
Der Gotthard-Basistunnel – Herzstück der NEAT
Ein starkes Schienennetz durch die Schweizer Alpen ist die Grundlage für die Verlagerung. Der Gotthard-Basistunnel bildet das Herzstück, ist aber nicht allein. Die NEAT besteht aus zwei Nord-Süd-Achsen und deren direkten Zulaufstrecken:
– Gotthard-Basistunnel, Ceneri-Basistunnel und ausgebauter Korridor Basel-Chiasso
– Lötschberg-Basistunnel, Simplon Tunnel und ausgebauter Korridor Basel-Domodossola
Ergänzt wird dieses System durch die Bergstrecken am Gotthard und am Lötschberg. Sie dienen als Rückfallebene bei Störungen und als Puffer bei hoher Auslastung. Dem alpenquerenden Güterverkehr stehen damit heute 356 Plätze für Güterzüge (sogenannte Trassen) pro Tag und Richtung zur Verfügung: 246 auf der Gotthard-Achse und 110 auf der Lötschberg-Simplon-Achse. Mit einer Auslastung von gerade mal 38 Prozent auf der Gotthard- und 33 Prozent auf der Lötschberg-Simplon-Achse wird die Schiene noch viel zu wenig genutzt. Stattdessen queren wieder mehr Lastwagen die Schweizer Alpen auf der Strasse.
Fairer Wettbewerb, damit die Verlagerung Zukunft hat
Eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur ist ein wichtiger Baustein für eine funktionierende Verlagerung und den Schutz der Alpen. Doch: «Infrastruktur allein verlagert keinen Lastwagen», betont Katrin Dorfschmid, Geschäftsleiterin bei Pro Alps. Entscheidend sei eine konsequente Verlagerungspolitik, die den Güterverkehr tatsächlich auf die Schiene bringe. Mit einer Resolution forderte Pro Alps Bundesrat und Parlament jüngst auf, endlich für faire Rahmenbedingungen im Güterverkehr zu sorgen. Der Strassengüterverkehr soll seine tatsächlichen Kosten tragen und nicht länger zulasten von Umwelt, Bevölkerung und Sicherheit begünstigt werden. Daran erinnert Pro Alps zum 10-Jahr-Jubiläum der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vom 1. Juni.
Weitere Informationen in unserer Broschüre «Gütertransport: Besser auf der Schiene. Seit 10 Jahren durch den Gotthard-Basistunnel».
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