Stau ist kein Naturgesetz
Pro Alps
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Stau bei Rothenbrunnen auf der A13
Der Verkehrsflussbericht des Bundes zeigt Rekordwerte bei den Staustunden. Doch die Erzählung von «Autobahnen am Limit» greift zu kurz: Stau ist nicht nur ein Infrastrukturproblem, sondern Ausdruck eines Verkehrssystems, das immer mehr Freizeit-, Güter- und Tourismusverkehr auf die Strasse bringt.
Staustunden sagen nicht alles
68’040 Staustunden wurden auf Schweizer Nationalstrassen 2025 registriert. Eine Rekordmarke, mit 22.4 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahl zeigt, wie lange Verkehr stockte oder staute. Sie zeigt aber nicht, wie lang der Stau war, wie viele Fahrzeuge betroffen waren oder wie gross die tatsächlichen Zeitverluste ausfielen. Die Zahlen rechtfertigen deshalb keinen vorschnellen Ruf nach mehr Strassenkapazität. Entscheidend ist nicht nur, wo Verkehr stockt, sondern warum er entsteht, wohin er gelenkt wird und wie wir ihn vermeiden können.
Freizeit- und Güterverkehr ist für die Belastung verantwortlich
Im Jahr 2025 überwog der Freizeitverkehr mit 34.8 Prozent der Staustunden erstmals knapp vor dem Arbeitsverkehr. Am Wochenende wurden durchschnittlich rund 120 Staustunden pro Tag registriert, was einem Anstieg von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gerade auf den Nord-Süd-Achsen und am Gotthard prägen Ferien-, Feiertags- und Freizeitverkehr die Spitzen. Gleichzeitig dominiert die Strasse auch im Güterverkehr: 72.2 Prozent der Liefer- und Lastwagenfahrten entfallen auf die Nationalstrassen. Seit 1990 ist die Güterverkehrsleistung auf der Strasse fast viermal so stark gewachsen wie jene auf der Schiene. Ein Warnsignal, aber auch ein klarer Handlungsauftrag für die Verlagerungspolitik.
Wenn die Autobahn staut, laufen die Alpendörfer voll
Für die Alpenregionen ist diese Entwicklung besonders problematisch. Wenn der Verkehr auf den Nationalstrassen stockt, darf er nicht unkontrolliert in Dörfer, Täler und über Pässe ausweichen. Dadurch wird die Bevölkerung zusätzlich belastet – mit Lärm, Abgasen, Feinstaub, Sicherheitsrisiken und Lebensqualität. Es braucht deshalb nicht mehr Strassenkapazität, sondern ein wirksames Verkehrsmanagement: Dosierung auf den Hauptachsen, Schutz vor Ausweichverkehr, bessere Information, Lenkung des Freizeit- und Tourismusverkehrs und konsequente Verlagerung auf die Schiene.
Im Alpenraum sind Kapazitätserweiterungen ein Verfassungsbruch
Neben Verkehrsmanagement setzt der Bund auch auf gezielte Kapazitätserweiterungen. Im Alpenraum ist das jedoch keine technische Option, sondern ein Verstoss gegen den Alpenschutzartikel der Bundesverfassung. Art. 84 BV verlangt, die Kapazität der Transitstrassen im Alpengebiet nicht zu erhöhen. Eine Staudebatte, die sich nur auf fehlende Kapazitäten fokussiert, erhöht den Druck für neue Ausbauten. Pro Alps fordert deshalb mehr Verlagerung auf die Schiene, eine wirksame Lenkung des Freizeit- und Tourismusverkehrs, attraktive Bahn- und öV-Angebote und griffige Massnahmen gegen Ausweichverkehr.
Stau ist kein Naturgesetz. Wer die Alpen schützen will, muss jetzt Verkehr reduzieren, besser steuern und auf die Schiene verlagern.
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